THE XX live in concert

Sie sind wieder da.

„WIR HABEN EUCH VERMISST“! begrüßen the XX das Publikum der Marx-Halle. Wir sie auch und haben die Wochen der Wartezeit auf das Live-Konzert damit verbracht das neue Album „I see you“ wie für eine Schularbeit zu verinnerlichen. Nach ihrem Konzert 2013 im Gasometer, spielen sie endlich wieder, diesmal vor ausverkauftem Publikum. The XX sind das stimmliche Zusammenwirken der beiden Frontleute, Gitarristin Romy Madley Croft und Bassist Oliver Sims, mit Jamie xx, der im Background die Drums, Keyboards, Effekte und Computer bedient.

Mysterium Vorband.

Das Mysterium Vorband oder besser: Vormensch. Er kam, sah und spielte. Nach ungefähr 30 Minuten hat er die Bühne bereits wieder verlassen, ohne nur ein einziges Wort an die Crowd. Wir erwarten uns keine oscarreife Ansprache, aber zumindest ein bissl Interaktion wäre nett. Der Sound ist immerhin sehr anregend, wie das Pärchen vor uns mit der gefühlt längsten Konzert-Schmuserei aller Zeiten visualisieren möchte. Wir fühlen uns wie 14 und können einfach nicht aufhören hinzustarren. Glücklicherweise setzt der Beat Drop ein, der der öffentlichen Liebesbekundung ein Ende setzt. Unsere Liebe galt the XX, die wortlos mit „Say something“ das Konzert eröffnen.

Gänsehaut.

Gänsehaut und Gedanken an verflossene Liebschaften, aktuelle Gschpusis und zukünftige gebrochene Herzen , ziehen an unserem geistigen Auge vorbei. Die Lyrics kennen wir natürlich und schreien jene unseren Publikumsnachbarn ins Ohr, damit auch die sich davon überzeugen können. Positiv fällt der bunte Publikumsmix auf. Aus allen Ecken scheinen die Beamten, Künstler und Studenten in der Altersklasse irgendwo zwischen hipstergrau und altersgrau zusammenzufinden.

Die Drei sind cool.

Die Londoner bestechen wie erwartet mit schläfrigen Stimmen, elektronischen Beats und massiven Bass-Klängen. Die Bühne ist mit großen Spiegelflächen umrahmt, die sich je nach Stimmung bewegen und die Lichter spiegeln. Einen großen Teil des Konzerts halten wir die Augen geschlossen, weil das Gefühl von dem Klangdelirium, das wir bei Konzerten so lieben, einsetzt.  Eigentlich als Alternative Band bekannt, geben sich the XX erstaunlich poplastig. Das ist wohl ein Beigeschmack des wachsenden Bekanntheitsgrades. Solange sie nicht Ellie Goulding in die Mainstream-Kommerzkiste folgen wird das akzeptiert. Dazu sind die Drei einfach viel zu cool.

Dance-Cloud.

Die XX assoziieren wir trotz ihrer schwungvolleren Klänge,  nach wie vor mit früherem Teenager-Liebeskummer-Elend. „VCR“ in Dauerschleife wirkt wie ein Antidepressivum. Niemals hätten wir gedacht, dass wir 8 Jahre später voll verschwitzt vom Tanzen in einer Konzertcrowd stehen. „Die vor uns tanzen ja voll“ war das Kommentar unserer Hintermänner und – frauen. YESSS „Dangerous“ ist auch einfach zu geil um nur mit den Knien zu wippen. Unsere Dance-Crowd wird sentimental als Sängerin Romy mit kurzer Ankündigung „ I am terryfied to sing alone in front of you“ ihre Solo – Performance hinlegt. Das Teenager-Liebeskummer-Elend klingt dann doch noch durch.

Hauptsache Instagram.

Wen wir nicht ganz verstehen können, ist der große Blonde, der sich nach den ersten 3 Songs direkt vor uns stellt und dann auf Instagram herumscrollt. Die Mühe hat sich für ihn dann wohl ausgezahlt. Wenigstens hält er bei „Crystalized“ das Telefon in die Höhe um ja noch schnell eine Insta-Story zu posten. Zugegeben haben wir Social Media ebenfalls nicht außen vor lassen können, Ereignisse sind ja da um zu teilen, richtig?

Zugabe.

„On Hold“ die erste releaste und gefühlte eintausend Mal im Radio gespielte Nummer aus dem neuen Album, wurde bis zur Zugabe aufgespart. Wir feiern the XX für ihre Ironie das Intro als Outro zu spielen und instrumental das Konzert zu beschließen. Der Lärm des Publikums ist ohrenbetäubend, Wien feiert die Band gebührlich und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Die Wiener sind dann zum Glück nicht immer so unsympathisch wie ihnen nachgesagt wird.

Garderobenstau.

Katastrophe war der Weg nach draußen zur Garderobe. Irgendwas hat organisatorisch nicht ganz so geklappt. Auf Achselhöhle in der Menschenmenge eingeklemmt, den Konzertschweiß einatmend und den Zigarettenqualm der Lady neben uns in den Augen, werden wir vor und zurückgeschubst. Die Zigarettenlady musste sich mit Nikotin anscheinend beruhigen und kommentiert den Stau mit: „Das nächste mal gehen wir ne Stunde vorher. So nach dem ersten Lied“

Fazit.

Wir sind unglaublich happy. Getanzt und fast ein paar Tränchen verdrückt. Trotzdem schleicht sich ein Gefühl ein, dass wir die Londoner bereits vor Jahren verpasst haben, als sie noch nicht ganz so bekannt waren. Wir lieben sie trotzdem und sie uns. „We are so grateful to be in Vienna and apprechiate everyone of you“. Das glauben wir ihnen einfach mal und gehen mit gutem, melodramatisch-geliebten Gefühl aus der Marx-Halle. Den iPod lassen wir beim Nachhauseweg ausnahmsweise im Rucksack, die Live-Version ist einfach zu gut um sie nicht noch nachwirken zu lassen.

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