BABYKATZENGATE

Babykatzentreten und von Steuergeld finanzierte Haschwolken

Barbarisch: Stefanie Sargnagel, Maria Hofer und Lydia Haider fahren auf Steuerkosten nach Marokko, um dort kiffend und saufend Babykatzen zu treten. Wenn es die Kronenzeitung schreibt, muss es ja stimmen. Oder?

Antwort auf diese und viele weitere Fragen („War das Pferd an allem schuld?“ „Was genau hat denn das jetzt alles mit dem Penis von Thomas Glavinic zu tun?“) gab es am Montag in der Grellen Forelle.

Das Pferd Mafoud spielt eine bislang undurchsichtige Rolle bei der Geschichte mit dem 1 Gramm Hasch.
So stelle ich mir Mafoud vor.

Die Vorgeschichte

Den ganzen Wahnsinn der letzten Wochen in einige kurze Sätze zu packen, ist eher schwierig. Ich versuche es mal so zu erklären: Wenn ich einen Artikel damit beginne, dass jemand auf Steuerkosten in Marokko kiffend und saufend Babykatzen getreten hat, dann gehe ich davon aus, dass ihr alle merkt, dass das Satire ist. So viel Verstand würde ich eigentlich tatsächlich allen Menschen zutrauen. Da läge ich dann aber anscheinend falsch.

Wie der ganze Wahnsinn begann

Die drei Autorinnen Stefanie Sargnagel, Maria Hofer und Lydia Haider fuhren nach Marokko, um dort an ihren Büchern zu schreiben und bekamen zu diesem Zweck ein Stipendium von je 750 Euro vom Ministerium für Kunst und Kultur.
Über ihren Marokkoaufenthalt verfassten die drei Autorinnen ein satirisches (!) Reisetagebuch, das anschließend in Auszügen auf Standard.at erschien.

Mehrere Wochen später nahm Richard Schmitt, der Chefredakteur von Krone.at, den Weltfrauentag zum Anlass, einen Artikel über besagtes Reisetagebuch zu schreiben unter dem schönen Titel „Saufen und kiffen auf Kosten der Steuerzahler.“
Anstoß scheint vor allem eine Passage aus dem Reisetagebuch zu erregen: Ein Absatz, in dem Sargnagel schreibt, ihre Kollegin hätte eine Babykatze zur Seite getreten.

„Stefanie Sargnagel: Lydia ist die einzige Vegetarierin der Gruppe, aber im Unterschied zu den anderen VegetarierInnen, die ich kenne, ist sie es nicht, weil sie Tiere liebt, sondern weil sie Tiere zutiefst hasst. Heute hat sie eine Babykatze zur Seite getreten mit der Behauptung, sie habe Tollwut, danach biss sie selbstzufrieden in eine vegetarische Crêpe.“

So weit, so abstrus. Man kann allein darüber schon lang genug diskutieren, das überlasse ich aber euch. Ich empfehle hierfür zu viel Bier, zu viele Zigaretten und eine dunkle, verrauchte Bar wie z.B. das Mali Pop – nirgends kann man sich so schön über den Tisch und den lauten Plattensound hinweg politische Meinungen zuschreien wie dort.

Die ganze Geschichte geht aber noch ellenlang weiter, es folgen Hasspostings und Vergewaltigungsfantasien, das Thema wurde vielfach von anderen Medien aufgegriffen, Sargnagel und Schmitt twitterten und posteten, was das Zeug hält, und auch Norbert Hofer ließ es sich nicht nehmen, besagten Krone Artikel schockiert zu teilen.

Das ist noch eine der witzigeren Meldungen, wer die richtig oargen sehen will – Sargnagel hat ein Best Off Facebook Album erstellt.

Für einige der besagten Hasspostings interessiert sich übrigens inzwischen auch die Wiener Polizei.

Der traurige Höhepunkt der Geschichte findet sich, als die Kärntner Krone mit der Bemerkung, Sargnagel sei ja eh „willig“, ihren derzeitigen Wohnort veröffentlicht. Das sei natürlich kein Aufruf zur Vergewaltigung gewesen, kommentierte die Krone im Nachhinein.

Auch darüber zu diskutieren, überlasse ich euren Gehirnen – genug Diskussionsfutter findet sich schnell im Netz.
Ich empfehle hierfür:

https://twitter.com/stefansargnagel/status/840884161518960640/photo/1
https://www.vice.com/alps/article/wie-die-krone-am-weltfrauentag-gegen-junge-autorinnen-hetzt

http://www.zeit.de/kultur/2017-03/stefanie-sargnagel-steuergelder-marokkoreise-kunstbegriff-kiyaks-deutschstunde

Babykatzengate

Vergangenen Montag nun fand das Babykatzengate in der Grellen Forelle statt, zur Aufklärung aller entstandenen Fragen („Wurde das 1 Gramm Hasch auch vom Steuergeld bezahlt?“).

Angekündigt wurden eine Diashow der drei Autorinnen und Musik von Bürgerkurator. Moderiert wurde das Ganze von Minki & Schnurli.

Dieses Bild teilte Schmitt einst selbst auf Facebook. MIAU! #doublestandards

Minki hat leider Blasenentzündung

Wir hatten uns aufgrund des angekündigten Anti-Krone-Clubbings irgendwie ein Clubbing erwartet und waren dann etwas überrascht, dass das Ganze eher wie eine Pressekonferenz ablief. Sargnagel, Hofer und Haider saßen auf der Bühne, moderiert wurde das Ganze von einem Mädchen im Katzenkostüm, Schnurli. Minki wollte auch kommen, hatte aber Blasenentzündung.

Die drei Autorinnen nahmen Stellung zu den Geschehnissen und beantworteten Fragen aus dem Publikum, es gab eine Diashow, denn man wolle zurück zu diesen nostalgischen Zeiten, als man nach dem Urlaub noch Freunde und Familie mit langatmigen Diashows quälen durfte. Unterlegt wurde der Vortrag von aufwändigen Soundeffekten (Achtung Satire!) zum Thema Babykatzengate und Steuergate.

Es gab auch einige Filme aus besagtem Urlaub, unter anderem von einem Ausflug in den Garten von André Heller, wunderschön unterlegt mit Musik von André Heller.

Außerdem wurden wunderbar lyrisch das Best-Off der Hasspostings vorgetragen.

Ob du auch ein Hassposter bist, kannst du übrigens hier testen:

Persönlichkeits-Test: Bin ich ein Hassposter?

Es war alles das Pferd

Wir können euch nun stolz berichten, was es wirklich auf sich hat mit „dem größten Skandal seit mindestens 2017“ (Sargnagel), denn in mühevoller Arbeit wurde am Montag jedes noch so kleine Detail aufgearbeitet, begleitet von Hasch-Rauchschwaden, finanziert durch den österreichischen Steuerzahler:

1. Es war alles das Pferd. Das Pferd heißt Mafoud, es hat das 1 Gramm Hasch besorgt, und es hat auch die ganzen Steuern hinterzogen.

2. Die Tierquälerin war eigentlich die Lydia, deswegen ist es auch irgendwie gemein, dass die Stefanie den ganzen Hass jetzt abkriegt. Haider: „Ja, ich hasse Tiere. Aber bei der ganzen Haschgeschichte war ich nicht dabei. Da hab ich brav daheim gearbeitet.“ Sargnagel: „Ja, blunzenfett.“

3. Maria fährt jetzt nicht mehr mit Stefanie in den Urlaub, wenn’s dann immer so Ärger gibt. Sie schreibt aber vielleicht eine Novelle, „Immer Ärger mit Steffi.“

4. Sie haben ihr Bestes getan, aber niemand wollte sie pudern.

5. Publikumsfrage: „Gibt’s dort Babykatzen?“ Antwort Sargnagel: „Jetzt nicht mehr.“

6. Publikumsfrage: „Wird es eine Fortsetzung geben?“ Antwort: Man werde gerne eine Fortsetzung machen, wenn die Kronen Zeitung ein Sponsoring macht. Man könne ja die Reise nochmal machen, nur mit Krone Kaperln und so.

Solch süße Katzerln haben die drei Autorinnen auf Marokko vermutlich gequält. Schaut doch, so liab wie des Katzerl mit der süßen pinken Krone am Kopf!
Weggetreten und danach wahrscheinlich noch die Krone zerfickt.

Wird Minki wieder gesund?

Es wurden natürlich auch ernste Themen besprochen, etwa dass man als Frau anscheinend keine derben Witze und/oder Satire machen darf, warum der Artikel wohl am Weltfrauentag erschien, ob Schmitt bei der Vice angerufen hat um sich zu entschuldigen, ob Minki wieder gesunden wird von ihrer Blasenentzündung.

Sargnagel meinte außerdem, es gebe ihr durchaus zu denken, dass ihr „Kölner Hauptbahnhof Witz“, den sie selbst als durchaus grenzwertig sehe und bei dem sie Kritik am ehesten hätte nachvollziehen können, wenig Kritik aufrührte, der Witz über den Babykatzentritt jedoch scheinbar den Hass der Massen mobilisiert.

Wir sagen: Informatives Katzengate, ein bisschen schade, dass man nachher seinen Frust nicht wegtanzen konnte.

Es wird in Marokko wahrscheinlich bald keine Babykatzen mehr geben.

Übrigens: Michael Fleischhacker von NZZ.at fand, dass das Hauptproblem an der ganzen Geschichte darin liege, „dass es mit der gern überlegen daherkommenden Ironie-Attitüde von hippen Netzphänomenen, die gerne als Literatur wahrgenommen werden möchten, schnell vorbei ist, wenn man dann mal selbst ins Visier gerät.“

Abgesehen davon, dass man sich als Opfer einer derartigen Hasswelle auch wehren darf und sollte – auch, wenn man sonst eine lustige Person ist, kann man auf Hass-Scheiße anders als mit einem ironischen Witz reagieren – war das „Babykatzengate“ in der Forelle eine wunderbare Demonstration dafür, dass Sargnagel sich weder kleinkriegen, noch einschüchtern lässt, und besagten Alphamännchen mit gewohnter Ironie mitten ins Gesicht kotzt.

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